ZEICHNUNG / MALEREI

FOTOGRAFIEN

PROJEKTE / INSTALLATIONEN

Panopticon

Künstlerische Forschungsarbeit

Raumspezifische Installation

30 Fotografien (Größe Print: jeweils 40x50 cm)

Audio

 

2012

 

Im Rahmen der Ausstellung KRIEG GEGEN KINDER

Künstlerhaus Wien

Dez. 2012 -  Feb. 2013

 

„But the Panopticon must not be understood as a dream building:

it is the diagram of power reduced to its ideal form.“

Michel Foucault, Discipline and Punishment (1977)

 

Die Detailaufnahmen aus Räumlichkeiten des ehemaligen Kinderheims Hohe Warte dokumentieren die Gebrauchsspuren im Inneren des Bauwerks: Beschädigte Wände stehen als Zeugen für die stattgefundenen Misshandlungen und die damit einhergehenden Verletzungen der zu beaufsichtigenden Kinder.Die architektonische Vorlage für die Anordnung der Fotografien bildet das Panopticon: Ein von Jeremy Bentham im späten 18. Jahrhundert entworfenes Konzept zum Bau von Anstalten, welche die Überwachung vieler Menschen durch einen einzelnen Aufseher ermöglichen.  Im Zentrum der Installation ist die Hausordnung einer österreichischen psychiatrischen Anstalt für Kinder zu hören – gelesen von Helmut Oberhauser, der selbst Teile seiner Kindheit in Heimen verbrachte, und Michaela Putz. Wie auch in den Kinderheimen, regelt diese Hausordnung alle Tätigkeiten des Alltags für die Kinder: Schlafen, Essen, Waschen, WC-Besuche, Unterricht und Freizeit.  Durch das Betreten der Installation und das Hören der Handlungsanweisungen werden die BetrachterInnen selbst in die Rolle von Aufsehern versetzt.

 

Fotografien, Installationen und Fundstücke: Die Ausstellung beleuchtet die institutionalisierte Gewalt gegen Kinder in den Wiener Erziehungsheimen. Die gezeigten Arbeiten haben einen besonderen Fokus auf das ehemalige Kinderheim „Hohe Warte“. Der derzeitige desolate Zustand des Bauwerks wird in zahlreichen Fotoarbeiten belegt und mit Installationen ergänzt. In Kombination mit Zitaten ehemaliger Heimbewohner und Passagen aus dem Bericht der HistorikerInnenkommission ist „Krieg gegen Kinder“ zugleich Beweisaufnahme als auch Interpretation. Die künstlerischen Arbeiten beziehen Position zur damals gängigen Praxis der Verschleierung von Fakten und den Systematiken einer „totalen Institution“. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf ein Gedicht von Peter Ruzsicska, welcher selbst in städtischer Betreuung aufgewachsen ist.  Im Zuge der künstlerisch-wissenschaftlichen Recherche kam es zu einer intensiven Zusammenarbeit mit ehemaligen Bewohnern des "unheimlichen Schloss Bubenheim", wie die "Hohe Warte" auch bezeichnet wird. Als sichtbares Ergebnis dieser Kooperation werden einige ausgesuchte künstlerische Arbeiten von Betroffenen in der Ausstellung Platz finden. Ergänzend leistet die Ausstellung auch Vermittlungsarbeit: Bücher, Zeitungsberichte und Videos erlauben den Besuchern, sich tiefer mit der Thematik auseinanderzusetzen.

 

Beteiligte Personen:

Isabel Fröschl

David Kurz

Michaela Putz

Florian Steiner

Brigitte Lunzer Rieder

Helmut Oberhauser

Peter Ruszicska

Michael Tfirst

 

Kuratiert von Thomas Waibel